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Wohlbefinden inklusive

Wohlbefinden inklusive

Vollständiger Artikel erschienen in: Holzmagazin 4/2017
Foto: © sps÷architekten/Andrew Phelps

 

In St. Johann im Pongau wurde für das ZIS – Zentrum für Inklusiv- und Sonderpädagogik ein moderner Schulneubau in Holzmassivbauweise umgesetzt. Aus einer herausfordernden Ausgangssituation wurde ein lichtdurchflutetes Gebäude, das Kinder und Lehrer täglich in ihrem Lernen unterstützt. 

Ein längliches Grundstück zwischen Salzach und Liechtensteinklammstraße mit einem Grundwasserspiegel, der nach unten keine Möglichkeiten bietet war eine herausfordernde Voraussetzung, um für den Neubau des Zentrum für Inklusiv- und Sonderpädagogik kurz ZIS der Gemeinde St. Johann im Pongau ein nicht nur funktionales, sondern auch innovatives und schönes Schulgebäude zu errichten. Zur Umsetzung des Projektes haben sich neben dem Bauherren St. Johann weitere sieben Sprengelgemeinden und die Salzburger Landesregierung zusammengefunden, um mit einem Budget von insgesamt fünf Millionen Euro einen Mangel in der schulischen Infrastruktur zu beheben. Für die Schuldirektorin OSR Elisabeth Obermoser-Kemtinger war die Entscheidung zum Schulneubau aber weit mehr, den für sie und ihr Team ist es ein Zeichen der „Wertschätzung für unsere Schulform“. 

Anregend und wohltuend
Günther Mitterer, Bürgermeister von St. Johann und damit Bauherr, wollte laut ProHolz von Anfang an einen Holzbau, denn: „Als e5-Gemeinde war es uns von Anfang an wichtig, auf einen nachwachsenden und energieeffizienten Baustoff zu setzen. Holz ist gerade für Schulbauten hervorragend geeignet. Einerseits ist die schnelle und präzise Errichtung ein wesentlicher Vorteil und andererseits kann durch Holz ein ausgezeichnetes Raumklima im Gebäude erzielt werden. Die geringen Mehrkosten diese Holzbaues sind absolut vernachlässigbar, da diese durch die geringen Heizkosten sehr schnell hereingeholt werden.“ Die Gemeinde veranstaltete daraufhin 2013 einen geladenen Wettbewerb, dabei konnte sich der Entwurf von Dipl.-Ing. Simon Speigner mit seinen sps÷architekten und Reinhold Tinchon durchsetzen. Sie nahmen die nicht so leichten Gegebenheiten als Ansatz komplett neue Lösungen zu finden, die für das Zentrum für Inklusiv- und Sonderpädagogik (ZIS) einen Mehrwert bringen sollten. Architekt Speigner, der regelmäßig Vorträge zum Thema „Architektur und nachhaltiges Bauen“ hält, erklärt was Holz zu einem so einzigartigen Baumaterial macht: „Holz produziert bei der Herstellung keine Schadstoffe, ist wiederverwendbar, bei entsprechender Behandlung kann es in den Kreislauf unproblematisch rückgeführt werden und Holz strahlt nicht kalt ab.“ So wurde bei einer Nettonutzfläche von 2163 m2 das neue Schulzentrum in Holzmassiv-Bauweise in Passivhausstandard errichtet. Die sieben Klassenräume sind alle im Erdgeschoß untergebracht, konnten damit optimal angeordnet und alle barrierefrei zugänglich gemacht werden. Zusätzlich öffnen direkt vor den Klassen befindliche Terrassenflächen, die mit Holzrosten befestigt sind, den Grünraum an der Westseite des Gebäudes und lassen die Straße auf der anderen Seite fast vergessen. Die Verwaltungsräume wie Konferenzzimmer und Direktion, Werkräume, Bücherei, Therapieräume und der Turnsaal wanderte in das Obergeschoss. Speigner war es wichtig Räume zu schaffen, die „anregend und wohltuend zugleich sind.“ Das  ist optimal gelungen. Denn auch heute, zwei Jahre nach Fertigstellung, sind nicht nur die Gemeinde, sondern vor allem die Nutzer selbst begeistert. 

Ein hoher Qualitätsanspruch in Form, Raum und Material erhöht die Sensibilität.
— Simon Speigner, Architekt sps÷architekten

Lichtdurchflutete Atmosphäre
Schuldirektorin Obermoser-Kemtinger ist von den Gebäude überzeugt: „Alle Erwartungen wurden übertroffen. Der wunderbare Holzbau, die hellen Klassenzimmer, die besondere Ausstattung und die vielen Bewegungsangebote entschleunigen den Schultag, helfen sich besser zu konzentrieren und unterstützen die Tagesstruktur. Alle genießen die Kommunikationszonen.“ Auch zwei Jahre nach der Fertigstellung fühlen sich Schüler und Lehrer in dem Gebäude „pudelwohl“. Besucher und Gäste loben die warme Ausstrahlung des Holzes und die lichtdurchflutete Atmosphäre im Schulhaus. Gute Architektur macht hier einen deutlichen Unterschied im Alltag, der aber bereits Grundlage der Entwürfe sein muss. Architekt Simon Speigner schildert seinen Anspruch an die Planung für Gebäude für Kinder und Jugendliche: „Junge Leute sind noch nicht so stark geprägt von ihrer unmittelbaren Umwelt. Ein hoher Qualitätsanspruch in Form, Raum und Material erhöht die Sensibilität. Man kann und sollte hier – wie bei allen Bauaufgaben – einen Mehrwert generieren. Das kann man zum Beispiel durch akustisch sehr anspruchsvolle Innenräume, gute Bezüge zwischen Innen- und Außenräumen und ein hohes Maß an Nutzungstauglichkeit.“ Er baut auch gerne auf den sogenannten „Riedelglaseffekt“. Das heißt, hier wird bewusst nicht alles von vornherein vandalensicher gemacht, sondern einige Details sind hochwertig und zart umgesetzt. Denn gerade auf hochwertig Gestaltetes und eine entsprechend ausgeführte Umgebung würde oft besser aufpasst. Neben denen im überwiegenden Maß vorgefertigten Holzelementwänden und –decken und Element aus Glas, Wollfilz und geölten Oberflächen wurde zusätzlich von Malermeister Ernst Muthwill ein ganzheitliches Farbkonzept für das Gebäude umgesetzt. Die bestimmenden Holzoberflächen  wurden mit unterschiedlichen Farbflächen kombiniert, die den Kindern auch als Orientierungshilfen dienen. Im Stiegenhaus entstand noch ein auf Hell/Dunkel-Kontrast aufbauendes reliefartiges Kunstwerk.

Alle an einem Strang
Das Bauprojekt selbst war mit Planung und Umsetzung von jeweils nur einem Jahr knapp bemessen. Und die Herausforderungen hörten mit Zeitknappheit nicht auf: Hohe Schallschutzanforderungen, der Turnsaal im Obergeschoss über den Klassen, statisch weitere Spannweiten, die beengte Situation des Grundstückes und damit auf der Baustelle zwischen Salzach, Berg und Straße und nicht zuletzt die Einhaltung der Kosten wollten erfolgreich gelöst werden. Möglich wurde das durch die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten: Der Architekt und das Planungsteam bezogen die Schule intensiv in Planung und Ausführung ein, die Gemeinde stellte einen eigenen Sachbearbeiter, der mit der Bauaufgabe betraut war, um schnelle Entscheidungen zu ermöglichen und damit eine kurze Planungs- und Bauphase zu ermöglichen. Und am Ende wurden nicht nur Zeitplan und Kosten eingehalten, sondern St. Johann ist mit dem Zentrum für Inklusiv- und Sonderpädagogikum eine Vorzeigeschule reicher. 

 

Über den Wolken

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