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Die Jungen und die Medien

Die Jungen und die Medien

Vollständige Geschichte erschienen in: trend Bestseller 2016
Foto: Sophie Karmasin (c) BMFJ/Christian Jungwirth

 

Das Internet hat nicht nur die Mediennutzung der Erwachsenen verändert: Kinder wachsen als Digital Natives auf und der Einstieg in die mediale Welt erfolgt immer früher. Wie die Jungen das breite Angebot nutzen: Ein Wegweiser durch den medialen Erziehungsdschungel. 

 

Moritz, acht Jahre alt, steht aufgeregt vor mir, um das versprochene Tablet zu  holen. Er kuschelt sich auf seinen Sessel und beginnt, ein neues, gemeinsam ausgesuchtes Spiel zu spielen. Nach fünf Minuten steht er wieder fragend vor mir: „Wo hast du denn das YouTube?“ Ich frage nach: „Wofür bitte brauchst du das jetzt?“ Er antwortet erstaunt: „Na damit ich mir anschauen kann, wie ich das Spiel besser spielen kann.“ So funktioniert Lernen im digitalen Zeitalter.

DIGITAL IST FAST NORMAL
Was für „ Digital Immigrants“, also Menschen, die nicht mit dem Internet aufgewachsen sind, erstaunlich ist, ist für den Nach-wuchs, die sogenannten „Digital Natives“, vollkommen normal. Sie kennen eine Welt ohne elektronische Medien, digitale Nachschlagemöglichkeiten und Internet nicht mehr. Dabei findet der Einstieg in die Medienwelt generell immer früher statt. In Deutschland erhebt der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest dazu mit der Studie „miniKIM“ alle zwei Jahre schon den  Medienumgang der Allerkleinsten, also der Zwei- bis  Fünfjährigen. Denn bereits die Zwei- bis Dreijährigen sehen durchschnittlich 34 Minuten am Tag fern, die Vier- bis Fünfjährigen kommen bereits auf 52 Minuten pro Tag. In Österreich sieht es ähnlich aus. So untersuchte der Werbezeitvermarkter IP Österreich heuer anlässlich der Kinderwelten-Tagung die digitalen Lebenswelten der Drei- bis 13-Jährigen. Christian  Sattler, Research-Leiter IP Österreich, bestätigt den frühen medialen Einstieg auch in  Österreich:„Die Studie zeigt, dass Kinder bereits im Alter von drei Jahren fern sehen. Handy und Tablet werden meistens erst mit sechs Jahren genutzt.“ Aber die Internetnutzung steigt. So haben laut „Trendtracking Kids 2016“ der Super-RTL-Medienforschung 43 Prozent der Sechs- bis Neun-jährigen und 92 Prozent der Zehn- bis 13-Jährigen mindestens einmal wöchentlich Internetzugang.  Peter Eiselmair, Geschäftsführer Education Group und Auftraggeber der „5.Oö. Kinder-Medien-Studie 2016“, erläutert: „Festzustellen ist, dass die Altersschwelle bei der Nutzungsmöglichkeit des Internets sinkt und mittlerweile zwei Drittel der Kinder zwischen sechs und zehn Jahren Zugang zum Internet haben. Daher ist es sowohl in der Schule als auch im Elternhaus wichtig, den Kindern Medienkompetenz mit auf den Weg zu geben. Wir Erwachsenen müssen die Kinder begleiten und dürfen sie nicht alleine lassen.“

VERANTWORTUNG UND CHANCE 
Wenn man über kindlichen oder jugendlichen Medienkonsum redet, muss man sich immer auch das erwachsene Umfeld ansehen. Denn das bestimmt den Medienzugang. Familienministerin Sophie Karmasin sagte anlässlich des diesjährigen 13. Safer Internet Day: „Mit der wachsenden Bedeutung von digitalen Medien im Alltag von Kindern und Jugendlichen steigen auch die Anforderungen an die Medienkompetenz von Familien.“ Es liegt also an den Eltern und Pädagogen, neue Technologien anzunehmen, sinnvoll einzusetzen und vorzuzeigen, wie es geht. Und dabei gehen alle gerne auf Nummer sicher. IP-Österreich-Research-Leiter Sattler erklärt, warum: „Die Drei- bis 13-Jährigen sind eine sensible Zielgruppe. Altersgerechte Darstellung von Inhalten und kindgerechte Werbung sind besonders wichtig. In einem unendlichen digitalen Universum gibt es viele Unsicherheiten: eine Vielzahl unüberprüfbarer Angebote, als Produktplatzierung getarnte Werbung oder Inhalte, die nicht für Kinder geeignet sind. Die Eltern stehen vielen Angeboten kritisch gegenüber. Nicht zuletzt deswegen stufen sie das Fernsehen als  sicherstes elektronisches Medium ein.“ Denn das ist am leichtesten kontrollierbar. Kinderärzte haben für den vernünftigen Umgang mit Medien eine eigene sogenannte Dreierregel, in der heißt es: von null bis drei Jahre kein medialer Zugang, ab drei Jahren altersgerechte DVDs. Ab sechs Jahren  Zugang zu einem PC oder Tablet, ab neun Jahren kontrollierter Internetzugang, ab zwölf Jahren Smartphone. Zusätzlich wird empfohlen, Volkschulkindern keinen eigenen Fernseher oder PC zu ermöglichen. Thomas Kröpfl, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde, Kinder- und Jugendpsychiatrie und systemischer Psychotherapeut, meint: „Der Zugang zur medialen Welt ist für unsere Kinder so wie für uns, als wir im selben Alter waren und den ersten Walkman bekamen. Es hängt von uns Erwachsenen ab, wie wir den Zugang zu den Medien für unsere Kinder gestalten. Ich wünsche mir medienfreie Zeiten in den Familien und denke dabei an gemeinsame Abendessen ohne Handy oder Tablet am Tisch.“

VOM ELEKTRONISCHEN SCHULBUCH BIS ZUM HOLOGRAMM
Durchaus sinnvoll, denn die Zukunft ist bereits da. So gab es heuer erstmals pünktlich zum Schulbeginn zu den gedruckten Schulbüchern für die Schüler der österreichischen Oberstufen ergänzend bei rund 50 Prozent das entsprechende E-Book dazu. Das digitale Whiteboard löst in den Klassenzimmern die alte Kreidetafel ab und Kinderbücher lassen bereits jetzt via Augmented-Reality-App Dinosaurier dreidimensional über das Buch tapsen.  Am stärksten sieht man das bereits veränderte Nutzungsverhalten an den Jugendlichen. So surfen 27 Prozent der Österreicher während des Fernsehens im Internet, bei den 14- bis 18-Jährigen sind es jedoch bereits 38 Prozent. Jugendliche unter 18 nutzen das Internet täglich durchschnittlich zwei Stunden länger als jene über 18 Jahren, zeigen die Daten des Media Servers. Aber was heißt das für  die Zukunft? Elisabeth Plattensteiner, Vorsitzende Forum Media Planung und Managing Director der Omnicom Media Group, erklärt, was noch kommen wird: „Mediennutzer fordern eine Seherfahrung, die es ihnen ermöglicht, nahtlos verschiedene Screens zu schauen. Medien, mit denen der Nutzer Erlebnisse  teilen kann, werden weiter auf dem Vormarsch sein. Auch die Personalisierung wird eine wichtige Rolle spielen.“ So gibt es mit NFL Now bereits ein Video Network, das seinen Sportfans erlaubt, ihren eigenen Channel mit ihren Lieblingsteams zusammenzustellen. Die BBC entwickelt gerade ein Genre, das sie „Visual Perceptive Media“ nennt. Dabei geht es um einen anpassungsfähigen Film, der sich nach persönlichen Vorlieben in Handlung, Musik und Eigenschaften gestalten lässt. Wearables, wie zum Beispiel Smartwatches oder smarte Kleidung, werden ermöglichen, über biometrisches Feedback Inhalte, die gerade zur Stimmung des Nutzers passen, auszuspielen. Augmented Reality, wie etwa bei „Pokémon Go“, wird in Zukunft inklusive holografischer Darstellung immer mehr Einzug in den Alltag halten. Plattensteiner: „Ziel dieser Technologien ist es, zum einen ‚Erlebnisse‘ für den Konsumenten zu schaffen, die er mit anderen teilen kann, und zum anderen die Personalisierung von Content zu ermöglichen.“

Wer jetzt ein mulmiges Gefühl bekommt, kann sich trotzdem entspannen. Denn bei all den vielfältigen Möglichkeiten macht immer noch der Inhalt das Medium – auch und gerade bei Kindern. Birgit Guth, Leiterin der Medienforschung Super RTL: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Kinder sehr anspruchsvoll sind, sie bevorzugen gut erzählte Stoffe und auf sie zugeschnittene Identifikationsfiguren. Wie auch immer die Zukunft aussehen wird, sogar die modernste Technologie wird keine schlecht erzählte Geschichte retten können.“

Infografik: Gezeichnetes Wissen

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