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Über den Wolken

Über den Wolken

Artikel erschienen in: Holzmagazin 5/2017
Foto: © querwärts ARCHITEKTEN
 

In Nürnberg gibt es mit der „Wolke 10“ Deutschlands einzige Kindertagesstätte, die sich in einer Höhe von 16,70 Meter über Straßenniveau befindet. Der kreative Holzständerbau entstand auf einem ehemaligen Parkdeck, das jetzt den Kindern eine grüne und anregende Umgebung zum Aufwachsen bietet. 
 

Für kreative Lösungen braucht es eine Vision. Und die hatte Bauherr Andreas Klier. Mit der ungewöhnlichen Idee, eine Kindertagesstätte auf einem nicht genutzten Oberdeck eines Parkhauses in der Nürnberger Südstadt zu errichten, stieß Klier, bei den zuständigen Beteiligten zunächst auf Skepsis und Kopfschütteln. Für ihn war das Projekt jedoch eine Herzensangelegenheit für das Grätzel. Denn er betreibt dort mit seiner Familie seit 1959 ein Musikgeschäft, das sich im Erdgeschoss des Gebäudes befindet. Und so brachte er die Beteiligten direkt auf das ungenützte Parkdeck, um sie vor Ort von seiner Vision zu überzeugen. 

Von der Vision zur Realität
Andreas Klier, Bauherr: „Wenn ich zurückdenke an die Idee, einen sozialen und freundlichen Raum inmitten eines aus städtischer Sicht nicht ganz unproblematischen Teils von Nürnberg zu schaffen, in dem wir uns nun mal befinden - dann ist das mehr gelungen!“ Er erzählt weiter, dass am Anfang nicht der Kosten-Nutzen-Faktor im Vordergrund stand, und alle Beteiligten – die Stadt Nürnberg, das Architektenteam, die ausführenden Unternehmen – ihre Leistungen maximal zur Verfügung stellten, weil sie die Idee überzeugen fanden. Der Reiz dabei etwas Einzigartiges zu schaffen war groß und holte alle in ein gemeinsames Boot. Heute ist Klier sehr zufrieden, denn: „Das Ergebnis ist eine Kindertagesstätte, die ihre kleinen Besucher aus ihrem oft schwierigen Alltag heraus reißt, eine fast urlaubshafte Atmosphäre schafft und durch die Architektonik in Verbindung mit der großen Freifläche mit einer Leichtigkeit auf dem Gebäudedach steht, als wäre es dort oben nie anders gewesen.“

Höchstgelegene Kita
Möglich machte das querwärts-Architekt Patrick Schreiner und querwärts-Innenarchitekt Alexander Kromer, für die der Kindergarten in luftiger Höhe auf dem 10. Stock des Parkhauses eine einmalige Herausforderung war. Schreiner, Architekt der Wolke 10: „Angefangen vom Brandschutz, über die statischen Probleme, die Baustellenlogistik gab es bei der Planung und im Bauablauf noch eine Vielzahl weiterer einzigartiger Themen - aber das hat es ja auch so spannend gemacht.“ Spannend ist auch, dass mit 16,70 Meter über Straßenniveau das Projekt, die höchstgelegene Kindertagesstätte Deutschlands mit Burgblick ist. Jener einzigartiger Blick, der auch die Zweifler direkt auf dem Parkdeck überzeugt hatte. Für Architekt Schreiner war es aber aufgrund der Höhe bei der Planung nicht nur besonders wichtig kindergerecht zu bauen, sondern der Sicherheit den nötigen Raum zu geben. 

„Ein Kindergarten soll in unseren Augen nicht schon bunt gebaut werden, denn das wird er durch die Kinder ganz automatisch.“
— Patrick Schreiner, Architekt

 

Garten im Himmel
Um auf der ungewöhnlichen Baustellenhöhe die Baumaterialien anzuliefern, mussten sie mittels Baukran auf die 9. und 10. Ebene des Parkhauses gehievt werden. Die Statik des Parkhauses aus dem Jahr 1979 machte es auch notwendig die nötigen Gewichtsreserven aufzustocken. Dabei wurden rund 700 Tonnen Gartenmannbelag abgetragen und entsorgt. Denn es sollte ja eine großzügige Spiel- und Gartenlandschaft für die Kinder entstehen. Erschlossen wird die Kindertagesstätte unter anderem durch einen Aufzug, der von der Straße direkt zur Eingangstür führt und zugleich im Notfall als Feuerwehraufzug dient. Die knapp drei Meter hohe Mauer des ehemaligen Parkdecks schirmt die Außenfläche auf dem Dach ab. Fangnetze bieten zusätzlichen Schutz gegen herunterfliegende Spielbälle. Auf der neu entstandenen Außenfläche befindet sich jetzt eine Oase aus Rasenflächen, Pflanzen und bis zu vier Meter hohen, schattenspendenden Bäumen. Die Baumbepflanzung konnte dabei ausschließlich an Stellen mit stabilisierenden Unterzügen vorgenommen werden. In der Gartenlandschaft können die Kinder nun auf Spielgeräten wie Klettergerüsten und -wand, Musikinstrumenten, Schaukel, Sandkästen, Rutsche und sogar einen kleinen Bolzplatz herumtoben. 

Holz und Licht
Die Kita schlängelt sich mit ihrem längliche Baukörper, der in vier Ebenen geteilt ist und der versetzten Holzfassade an der Südseite der Dachfläche entlang. Große Panoramafenster lassen viel Licht in die Spiel- und Aufenthaltsräume und geben den Blick über die Dächer der gesamten Stadt bis hin zu ihrem Wahrzeichen, der Kaiserburg, frei. Dabei sind sowohl Innen- als auch Außenbereiche von nirgendwo einsehbar. Für Architekt Schreiner war die Materialentscheidung für Holz logisch: „Das Ganze ist ein Holzsständerbau, der auch aus statischen Gründen zum Einsatz gekommen ist. Die Fassade besteht aus Lärchenholz, der Boden ist aus Linoleum. Wichtig ist uns beim Bauen für Kinder, dass natürliche Materialien zum Einsatz kommen, Plastik scheidet aus.“ Aus seiner Sicht bedingen sich die Leichtigkeit der Konstruktion und das „Wohlfühlklima“ unmittelbar. Herausfordernd war vor Ort die Geometrie des Vordaches. Schreiner: „Die einzelnen Decken verwinden sich in der Länge und in der Breite. Hier mussten wir im Vorfeld viele Detaillösungen entwickeln, und am Ende auf der Baustelle mit dem Handwerker improvisieren.“

Warm aber nicht bunt
Besonderes Augenmerk wurde aber nicht nur auf die Gesamtkonstruktion der Kita und den Außenbereich gelegt. Architekt Schreiner: „Die Innenarchitektur ist für uns immer ein großer Teil unseres Schaffens. Mein Geschäftspartner Alexander Kromer ist Innenarchitekt, sowie noch drei weitere unserer Mitarbeiter. Es geht nicht immer nur um eine Hülle, sondern vielmehr um die Benutzung der Räume und das Erlebnis. Dabei spielen Farben und Licht eine elementare Rolle. Bei diesem Projekt haben wir viel Wert auf neutrale, warme und natürliche Farben gelegt. Ein Kindergarten soll in unseren Augen nicht schon bunt gebaut werden, denn das wird er durch die Kinder ganz automatisch.“ Die Gestaltung der hellen, offenen und einladenden Innenbereiche setzt auf Proportion und Detail. Für die Sanitärbereiche und Möbel wurde auf die Altersgruppe der Krippenkinder genauso Rücksicht genommen, wie auf die Bedürfnisse der „Größeren“. Eine Spielburg in Form einer dreidimensionalen Kinder(tri)bühne, ein aufwändig ausgeführtes Oberlicht im Umkleidebereich oder auch das Badfliesendesign bieten Kindern eine kreative Atmosphäre. Details wie Fensterelemente, die Gruppen verbinden oder eine Sitzfensterecke im Turnsaal öffnen Sichträume für die Kinder nach innen und außen. 

Gemeinwohl statt Rendite
Bezogen werden konnte die Wolke 10 bereits nach einer nur neunmonatiger Bauzeit. Dabei wurden knapp 2,7 Millionen Euro in das Mitte April 2015 eröffnete Projekt investiert. Etwa 1,2 Millionen Euro steuerte der Freistaat Bayern bei, ca. 700.000 Euro die Stadt Nürnberg. Das Betreuungsangebot ist für maximal 86 Kinder ausgelegt, aufgeteilt in zwei altersgemischte Kindergartengruppen im Alter von 3 bis 6 Jahren mit je 25 Kindern, und für drei Krippengruppen mit je 12 Kindern im Alter von 0 bis  3 Jahren. Die integrative und interkulturelle Nutzung des Kindergartens mit musikalischer Förderung wird durch den Bauherrn persönlich unterstützt. Der Betreiber der Kita ist das Bayrische Rote Kreuz. Sie wurde nach ihrer Fertigstellung freudig angenommen und obwohl der besondere Bauort in Nürnberg für viel Aufmerksamkeit sorgte, konnte das Bauprojekt seine Richtigkeit beweisen. Und so freuen sich nicht nur die Kinder jeden Tag über eine schöne, anregende Umgebung. Bauherr Klier ist nach wie vor begeistert, denn: „Betrachten wir uns doch einfach die Vorher – Nachher- Bilder. Aus einer ungenutzten Fläche eines Parkhauses, wo die beiden oberen Decks das Dach darstellten, wo sämtliche Haustechnik auf dem Dach endete und von einem Funkmasten für Mobiltelefonie gekrönt wurde, entstand ein multikulturelles, soziales Haus, das Leben in die gesamte Infrastruktur bringt und eine Umgebung zum Spielen und Lernen für Kinder bietet, die man innerstädtisch zu ebener Erde nicht oft finden wird. Und genau in diesem Spagat bestand auch die größte Herausforderung: Menschen von dieser Idee zu begeistern und diese trotz der ungewöhnlichen Gegebenheiten zu verwirklichen. Nicht umsonst ist es die „Wolke 10“!“ Eine engagierte Vision, die ihren Weg in die Realität gefunden hat. 

 

 

 

 

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