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Perspektiven für den Nachwuchs

Perspektiven für den Nachwuchs

Vollständige Covergeschichte erschienen in: Holzmagazin 8 / 2017
Foto: Cover Holzbaumagazin 8 (c) Starmühler Verlag

 

In Gänserndorf konnte das Atelier Deubner Lopez mit dem Kindergarten Wolkenschiff das erste öffentliche Gebäude der Gemeinde in Passivhausqualität mit Klima:Aktiv-Gold Standard in Holzbauweise umgesetzt.

Den ersten Schritt in einem neuen Umfeld zu machen, ist nicht nur für Kinder ein Abenteuer – auch Erwachsene brauchen für neue Lösungen Mut. Und so war gerade am Anfang der Planung Überzeugungsarbeit gefragt, als es bei dem Architekturauswahlverfahren um den Neubau des 4-gruppigen Kindergartens in Gänserndorf Süd ging: Denn mit einem öffentliche Gebäude in Passivhausqualität und noch dazu in Holzbauweise, gab es bei den Entscheidungsträgern der Stadtgemeinde Gänserndorf bis dahin keinerlei Erfahrungswerte. Das Atelier Deubner Lopez mitArchitekt Jesus Lopez-Vazquez und Ing.-Konsulent für Landschaftsplanung- und pflege Magnus Deubner musste anfangs erst Überzeugungsarbeit für ihr naturnahes und energietechnisches Konzept für den Kindergarten leisten. Als die Entscheidungen aber gefallen waren, stellte die Stadtgemeinde den Planern extra einen eigenen Mitarbeiter als ‚Sparringspartner‘ bei, um Entscheidungen im Vorfeld und vor Ort auf der Baustelle rasch und unkompliziert treffen zu können. 

Am meisten Freude hat es mir gemacht ein innovatives Bauwerk in meiner eigenen Gemeinde zu errichten.
— Magnus Deubner, Ing.-Konsulent für Landschaftsplanung- und pflege

Heute ist das „Wolkenschiff“ ein Vorzeigeobjekt der Gemeinde und die Planer sind zufrieden, denn: „Wir sind davon überzeugt, dass es politisch wichtig war, innovative Tatkraft zu zeigen und etwas Neues zu probieren. Es gibt seit der Eröffnung laufend positives Feedback aus allen Reihen.“ Von den Eltern gab es die positiven Rückmeldungen ganz direkt, denn Planer Deubner war auch nach der Fertigstellung des Gebäudes jeden Tag direkt vor Ort: Denn er holte seine eigenen Kinder täglich von „ihrem“ Kindergarten ab.  

Aus der Sicht der Kinder
Sich in die Kinder hineinzuversetzen war für Deubner und Lopez schon in der Planungsphase wichtig, denn „es tat uns als Planern im konkreten Fall des Kindergartens gut, die Perspektive zu verändern und bot uns die Möglichkeit, Facetten, die wir uns selbst als Kinder gewünscht hätten miteinfließen zu lassen.“ Sie wollten also das Spielerische mit der Architektur verbinden. So gibt es im Außenbereich zum Beispiel eine Röhrenrutsche, die direkt durch die Fassadenteile führt, eine bei den Kindern besonders beliebte, große Vogelnestschaukel und im Innenbereich einen Piraten-Ausguck. Das generell der Außenbereich für die Kinder nicht zu kurz kommt war ihnen von Anfang an ein besonderes Anliegen. Deubner: „Die Verwendung ökologischer Materialien und die Bedachtnahme auf eine funktionale und abwechslungsreiche Außenraumgestaltung waren uns besonders wichtig. Oft fallen die Außenräume den wirtschaftlichen Zwängen beim Gebäude zum Opfer. Es bleibt schlicht kein Geld übrig. Das wollten wir bereits in einem frühen Planungsstadium vermeiden, indem wir die Gartengestaltung mit dem Gebäude verflochten haben.“ Und das war gar nicht so einfach, denn das Grundstück selbst war von der Ausgangslage her flach, leer und ohne Altbaumbestand. Um es mit Leben zu befüllen, bekam der Außenraum einen modellierten begrünten Erdwall, einen Erlebnisparkour mit Stationen durch den gesamten Gartenbereich, einen Naschgarten, einen Weidenspielplatz, eine Feuerstelle und es wurde zudem besonders auf die Verwendung von Pflanzen lt. Richtlinie ‚Natur im Garten‘ wertgelegt. Dazu kamen hochwertige Spielgeräte mit Naturformen und die zentralen Spielelemente wie etwa die Röhrenrutsche. Auch die Nebengebäude wurden funktional in die Fassadengestaltung integriert.

Beruhigend, warm und Klima:Aktiv-Gold-Standard
Das Gebäude selbst wurde in einer Holzriegelbauweise errichtet. Dies betrifft sowohl die tragenden, als auch die nichttragende Wände und Deckenelemente. Vorgefertigt wurde bei der Firma Graf-Holztechnik im niederösterreichischen Horn. Im Fassadenbereich wurde unbehandelte Holzschalung und Eternit verwendet. Im Bereich des Zubaus haben die Planer aufgrund geänderter bautechnischer Vorgaben Brettsperrholzdeckenelemente verbaut. Gedämmt wurde mit Steinwolle bei den vorgefertigten Außenwänden und Dachelementen, teilweise EPS im Bereich des Flachdaches und Hanfdämmung im Innenausbau. 

Im Innenbereich war das Ziel eine hellen Wohlfühlatmosphäre für Kinder, Pädagoginnen und Eltern zu schaffen. Besonderes Augenmerk wurde dabei im Rahmen der Zertifizierung als Klima:Aktiv-Gold-Standard-Gebäude (918 von 1000 möglichen Punkten) auf die Verwendung von natürlichen Materialien und von lösemittelfreien Oberflächenbeschichtungen gelegt. Architekt Lopez: „Holz in sichtbarer Form war generell ein zentrales Gestaltungselement, sei es bei den geölten Parkettböden oder bei den akustisch wirksamen Deckenelementen und der Wahl der Inneneinrichtung. Beim Einsatz von Farben haben wir in enger Zusammenarbeit mit einem ortsansässigen Malerbetrieb auch sehr zurückhaltend gehandelt. Bunt wird es ohnehin mit Einzug der Kinder. Uns war es wichtig einen beruhigenden, warmen Rahmen zu schaffen.“       

Überprüfbare Effizienz
Um den Passivhaus-Standard zu erreichen, wurde zur Beheizung eine Grundwasserwärmepumpe in Kombination mit einem kontrollierten Belüftungssystem eingesetzt. Die zugeführte Luft kann im Sommer über ein grundwassergespeistes Register vorgekühlt und im Winter vorgewärmt werden. Die Warmwasserbereitung erfolgt aufgrund des geringen Bedarfs über dezentrale Elektro-Speicher. Zur Vermeidung einer sommerlichen Überhitzung wurde das Gebäude zusätzlich mit einem außenliegenden Sonnenschutz ausgerüstet, der auch für die in der Gegend typischen Starkwinde ausgelegt ist. Während der Hitzeperioden sorgt eine kontrollierte Nacht-Fensterlüftung mit Temperaturdifferenzregelung für den intervallweisen Abtransport von warmer Luft. Die großzügigen Glasflächen nach Süden werden zusätzlich durch auskragende Photovoltaikelemente dauerhaft beschattet. 

Damit das ganze Energiemanagement aber zusätzlich auch überprüfbar ist und sichtbar wird, wurde ein eigenes Energiemonitoringsystem implementiert. Deubner und Lopez: „So können die Energieflüsse im Echtzeitmodus eingesehen und damit einerseits die Verbräuche kontinuierlich optimiert werden und andererseits die Funktionsweise des Gebäudes den Nutzern und der Bevölkerung mittels Energiebilanzen, online und über einen Monitor im Eingangsbereich, sichtbar gemacht werden. Das Ziel ist es, mit Hilfe der 37 kWp Photovoltaikanlage und dem 10kWh Akku-Speichersystem, eine über das Jahr gemittelte positive Energie-Bilanz zu erreichen und damit dem Plus-Energie-Standard zu entsprechen.“ So wurde Nachhaltigkeit nicht nur geplant, sondern auch für alle sichtbar gemacht. Ein „Geschenk“ mit weitreichenden Folgen. Denn die Generationen, die im Wolkenschiff heranwachsen, werden später intelligente Passivhäuser aus Holz als etwas Normales betrachten. Sie haben damit bereits gelernt, sich auf etwas Neues einzulassen.

Umbau zur Plus-Bilanz

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Mehr Nutzen als Kosten

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