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Holz mit Haltung

Holz mit Haltung

Vollständige Covergeschichte erschienen in: Holzmagazin 3 / 2018
Foto: Cover Holzbaumagazin 3 (c) Starmühler Verlag
 

Die Weiterentwicklung geistiger Bauten stellt für Architekten oft eine architektonische Herausforderung dar. Das man dabei sowohl die Bedürfnisse der Menschen erfüllen kann und trotzdem innovativ sein kann zeigt die von reitmayr architekten durchgeführte Sanierung der Peterskirche St. Lambrecht. 

Die Architekten Peter Reitmayr und Ursula Markut des Architekturbüros reitmayr architekten bauen seit mittlerweile 13 Jahren im und für das Stift St. Lambrecht. Die Lösungen sind dabei immer spektakulär und Holz spielt im wahrsten Sinne des Wortes eine tragende Rolle. Als „modern“ wollen sie ihre architektonische Sprache allerdings nicht verstanden wissen. Architekt Reitmayr: „Modern ist ein gefährlicher Begriff für uns, der oft missverständlich verwendet wird, da er auch auf eine bestimmte Peri-ode der Baugeschichte hinweist. Nicht Alles was neu erscheint kann modern sein. Wir sind auch sehr auf die Analyse, den Produktionsprozess und das Sinnfeld in dem wir arbeiten fixiert und machen uns nicht so viele Gedanken ob wir „modern“ sind. Das sollen am Besten andere denen an Kategorisierungen liegt beurteilen.“ Und eben jenes Querdenken und exakte Denken führt auch in der Zusammenar-beit mit dem Auftraggeber Prior Gerwig Romirer zu neuen Blickwinkeln. Denn, so Reitmayr weiter: „In den Jahren haben wir uns gut zusammengestritten und verstehen uns ausgezeichnet. Prior Romirer ist ein kunstsinniger und scharf denkender Mensch, der sich auch etwas traut und klar seine Meinung vertritt. Das macht die Zusammenarbeit immer spannend und hilft uns in der gemeinsamen Entwicklung der Entwurfssprache.“ Hilfreich für die Zusammenarbeit waren dabei auch die Preise, die sie in den letzten zehn Jahren mit den Um- und Zubauten im Stift gewonnen haben. Und auch beim Holzbaupreis Steiermark 2017 holten sie mit dem Umbau und der Teilrenovierung der Peterskirche St. Lambrecht den Sieg in der Kategorie „Besser mit Holz“.

BARRIEREFREIE WOCHENTAGSKIRCHE  
Der Umbau der Peterskirche war von den Patres des Stifts schon länger vorgesehen gewesen. 2015 begannen die Voruntersuchungen und die ersten Planungsschritte. Der Kirchenraum sollte so ausgestattet werden, dass er als Wochentagskirche nutzbar ist und auch für Veranstaltungen Verwendung findet, die besser in einem kleineren Rahmen stattfinden als im großen Raum der Stiftskirche. Die Umbaumaßnahmen beabsichtigten einerseits die Schönheit des gotischen Raumes in seiner Höhenentwicklung, Farbigkeit und Lichtstimmung wieder zur Geltung zu bringen und andererseits in diesem Raum eine zeitgemäße Atmosphäre für das Feiern kirchlicher Feste herzustellen. Da eine Restaurierung der Wandmalereien und der Steindienste im Kircheninneren außerhalb des Budgets lag, wurden denkmalgerechte Reinigungen der Oberflächen und nur geringfügige Farbretuschen durchgeführt. Über die Jahrhunderte war auch das Niveau des Kirchenbodens um einen halben Meter angewachsen, was sowohl in der fehlenden Höhe des Raumes als auch in den ver-schwundenen Basen der Steindienste sichtbar war. Der teilweise noch vorhandene originale Kirchenboden - ein grau-brauner Kalkestrich - konnte wieder freigelegt werden. Darauf wurde in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt ein ungefähr 14 cm starker neuer Bodenaufbau aus Vakuumdämmung, Heizestrich und einem Verlaufsbelag hergestellt, der in Farbe und Oberflächenstruktur an den ursprünglichen Kalkestrich erinnert. Durch das Abgraben des Geländes und damit einer Senkung des Bodens war es auch möglich den Haupteingang auf der Nordseite barrierefrei auszuführen. Der Altarraum wurde in das Kirchenschiff verlegt. Im Zentrum befindet sich jetzt der neue Altar aus rotem Adneter Marmor. Neben Altar und Ambo sollten auch eine Empore, ein Portikus mit Stiegenanlage, Kirchentüre und Windfang sowie die gesamte Möblierung und Beleuchtung neu hergestellt werden. 

SUCHE NACH DER MATERIALWAHR­HEIT
Eine Besonderheit des Projektes war der experimentelle Holzbau mit seinen gefalteteten Konstruktionen und die unbehandelten Holzoberflächen aus astfreier Tanne. Reitmayr: „Sehr viel ist in experimentellem Holzbau entstanden. Der Portikus ist als gefalteter Brettsperrholzbau auf einem ebenfalls gefalteten Fertigteil-Stahlbetonfundament errichtet. Auch die Empore besteht fast ausschließlich aus Holzwerkstoffen.“ Als Baumeister und Zimmerer waren die Firmen Holzbau Herbert Hollerer und Gladik Bau tätig.Das Material Holz, das fast alle neuen architektonischen Elemente definiert, greift in seiner Verwendung sowohl auf den historischen Bestand z.B. der ursprünglichen Empore zurück, als auch auf die Tatsache, dass Holz immer schon ein wesentliches Element der modernen Gestaltung von Kirche war. Im neuen Portikus führt eine leichte Stiegenkonstruktion auf die Empore. Die gefaltete Schale des Portikus wurde aus Brettsperrholz auf Fertigteil-Fundamenten hergestellt. Die hinterlüftete Fassade ist außen mit Schindeln aus Lärchenholz verkleidet wie man sie auch auf dem Kirchendach findet. Auch die neue Empore ist wie der Portikus eine Holzkonstruktion. Sie wurde auf in Köcherfundamenten eingespannten Rundholzstützen errichtet.

Das unbehandelte Holz soll an die Wahrnehmung jenseits perfekter Oberflächen erinnern.
— DI Peter Reitmayr, Architekt

Alle sichtbaren Holzoberflächen sind aus unbehandelter, astfreier Tanne hergestellt. Für die Sichtschalungen wurden außerdem nur Halbrift- und Riftbretter verwendet. Dabei wurden die Wände und auch das Fundament des Portikus vorgefertigt. Bei solchen neuen Lösungen gibt es auch immer Herausforderungen. Denn, so der Architekt: „Bei den neuen Bauteilen gibt es ja eigentlich gar nichts „Gewöhnliches“. So sieht z.B. die Schindelfassade einfach aus, es war aber sehr anspruchsvoll sie über die Faltung hinweg dicht zu bekommen ohne dass man die Form des Portikus beschädigt. Das mussten wir neu entwickeln da uns keine gebauten Referenzen für eine solche Anwendung bekannt waren. Bei der Empore mussten wir die Rundholzstützen in Köcherfundamenten einspannen um die Schlankheit hinzubekommen. Das heißt, wir haben zuerst den Körper der Empore gebaut und erst nachher die Stützen darunter gesetzt und in die Fundamente eingegossen. Aber konsturktiv zeichnet sich Holz ja durch seine Leichtigkeit und gleichzeitig große Tragfähigkeit aus. Und wie man sieht kann man auch schwierige Formen herstellen wenn es erforderlich ist.“ Das unbehandelte Holz ist laut Architekten ein Versuch im Sinnfeld der Kirche eine Form der Materialwahrheit herzustellen, die aus unserer Alltagswelt weitgehend verschwunden sei. Der durch das Schleifen veredelte aber ansonsten unbehandelte Baustoff soll daran erinnern, dass es noch eine Wahrnehmung jenseits aller perfekter, wartungsfreier und letztlich beliebiger Oberflächen gibt. Und dieser Anspruch machte aus einem Umbau etwas ganz Besonderes. Die Rückmeldungen waren überwiegend positiv und der Ansturm auf die Nutzung ist groß. Und doch sind sich die Architekten bewusst, dass mit ihren gefalteten Konstruktionen sicher nicht alle etwas anfangen können. Das muss aber auch gar nicht sein, denn so Reitmayr: „Gerade bei Kulturbauten geht es ja auch um eine explizite Haltung, die sich nicht an Vorlieben einzelner Benutzer orientieren kann.“ Ein Ansatz, der Außergewöhnliches überhaupt erst möglich macht. 

 

Lebens-Schule

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Aus der Birkenstockecke rausgewachsen

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