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Vom Kinderwunsch zum Wunschkind

Vom Kinderwunsch zum Wunschkind

Vollständiger Artikel erschienen in: ZWEI UND MEHR - Das Familienmagazin / Winter 2017
Foto: © LKH-Univ. Klinikum Graz/Marija Kanizaj
 

Nicht alle Paare, die ein Baby wollen, bekommen diesen Wunsch sofort erfüllt.  
Die Medizin kann in vielen Fällen helfen. Manchmal ist Adoption eine gute Alternative. Und manche müssen lernen, auch ohne Kind ein glückliches Leben zu führen.

Was für viele Paare ganz selbstverständlich und problemlos eintritt, ist für jedes sechste Paar nicht ohne Weiteres möglich – denn ein Kinder-wunsch führt nicht automatisch sofort zum Wunschkind. Für das Ehepaar Uli (48 Jahre) und Michaela (38 Jahre) war nach zwei Jahren ohne erhoffte Schwangerschaft klar, dass sie ärztliche Unterstützung brauchen. Sie schau-ten sich verschiedene Kinderwunschzentren an; erst beim dritten fühlten sie sich wirklich aufgehoben. Dafür nahmen sie auch in Kauf, für die Behandlungen jedes Mal 70 km hin- und herzufahren. Die Ursache war schnell gefunden: Die Spermienanzahl war zu gering, was häufig vorkommt. Dr. Monika Martina Wölfler, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe im Kinderwunschzentrum Graz, erklärt: „Den meisten Kinderwunschpaaren (ca. 85 bis 90 Prozent) kann durch verschiedenste medizinische Maßnahmen geholfen werden. Je nachdem, welche Störung vorliegt bzw. welche Behandlungsform man wählt, kann der Kinderwunsch oft binnen weniger Monate zur ersehnten Schwangerschaft führen. In manchen Fällen braucht es mehr Zeit oder  es sind mehrere Behandlungen nötig.“ 

Zwischen Bangen und Hoffen
Bei Uli und Michaela klappte es nicht sofort. Sie brauchten insgesamt drei Anläufe mit In-vitro-Fertilisation (IVF). Eine körperliche und psychische Grenzerfahrung für beide Partner: Insgesamt ließen sie dabei 16 Sedierungen für Entnahme und Einsetzen von Spermien und Eizellen über sich ergehen. Michaela musste sich täglich Hormone spritzen. Die emotionale Belastung war am Anschlag. Der erste Versuch scheiterte. Beim zweiten klappte es drei Wochen lang. Dann löste sich die Eizelle wieder auf. Das Paar war im Schockzustand. Den dritten Versuch machten sie nur mehr, um sich später nicht vorwerfen zu müssen, es nicht probiert zu haben. Und dann funk-tionierte es. Uli erzählt: „Das Problem ist, die Versuche sind nur erfolgreich, wenn man entspannt und gelassen ist. Aber mit dem ganzen Stress geht das nicht. Man muss als Paar versuchen, das zu durchbrechen. Seriöse Kliniken bieten dabei auch Unterstützung in Form von Gesprächen, Ernährungberatung,Yoga oder Ähnlichem an. Als wir die Hoffnung schon aufgegeben hatten und nichts mehr erwartet haben, hat es bei uns geklappt.“ Was Uli allen Paaren unbedingt rät, ist, sich während der Behandlungszeit außerhalb der Paarbeziehung jemanden (z. B. FreundIn oder TherapeutIn) zu suchen, um die Erfahrungen besprechen und teilen zu können. Trotz aller Herausforderungen, die es gegeben hat, sagen aber beide Elternteile heute einstimmig: „Wir sind glücklich, den Weg gegangen zu sein. Er war nicht leicht. Aber wer sich ein Kind wünscht, sollte es machen. Macht aber auch einen Plan B, in dem geklärt ist, was passiert, wenn es nicht geht. Damit kann man den Druck etwas mindern.“ Sohn Theo ist heute viereinhalb Jahre alt, aufgeweckt und fröhlich.

Einem Kind ein Zuhause schenken
Wenn es nicht möglich ist, Kinder selbst auf die Welt zu bringen, dann ist die Adop-tion auch eine Alternative. Seit 01.01.2016 dürfen nicht nur verheiratete Paare und Einzelpersonen, sondern auch eingetragene gleichgeschlechtliche PartnerInnen, ver-schiedengeschlechtliche PartnerInnen und gleichgeschlechtliche LebensgefährtInnen gemeinsam ein fremdes Kind adoptieren.  Voraussetzung dafür ist ein Eignungsverfahren. Susanne Schmiedbauer vom Jugendamt Graz Nord West/SR4 Jugendhilfereferat/ Adoptionen erzählt, wie das funktioniert:  
„Das Eignungsverfahren wird je nach Wohnsitz der Bewerberinnen und Bewerber in  Graz oder den jeweiligen Bezirkshauptmannschaften durchgeführt. Zum Eignungsverfahren gehören ein ausführliches Erst- und Informationsgespräch mit mir in Graz und ein ärztliches Attest. Dazu werden ein Strafregisterauszug und ein Auszug aus der Sexualstrafdatei eingeholt. Es gibt darüber hinaus drei bis vier Gespräche nach dem Vier-Augen-Prinzip von SozialarbeiterInnen mit den potenziellen Adoptiveltern. Dazu sind sowohl ein Informationsnachmittag als auch ein Dreitagesseminar bei der Alternative Pflegefamilien GmbH zu besuchen."

Warten auf ein Baby
In Graz werden pro Kalenderjahr durchschnittlich sechs Freigaben erteilt. Derzeit sind ungefähr 170 AdoptivwerberInnen in der Steiermark registriert. Die Wartezeit liegt momentan bei 6 bis 7 Jahren. Da ausschließlich Säuglinge direkt nach deren Geburt freigegeben werden, erhalten dann die AntragswerberInnen von Susanne Schmiedbauer den von ihnen so ersehnten Anruf. Noch am selben oder aber am nächsten Tag führt sie dann mit ihnen ein Informationsgespräch zur weiteren Vorgehensweise. Mit einem Schreiben des Referats können die AntragswerberInnen das Kind im Spital besuchen und es je nach Entscheidung der Ärztinnen mit nach Hause nehmen. Schmiedbauer weiter: „Ab diesem Zeitpunkt können die Elternberatung, alle Angebote der Stadt Graz für Familien, Gespräche mit SozialarbeiterInnen, mit mir und weitere Leistungen in Anspruch genommen werden. Vor der Antragstellung für die Bewilligung der Adoption beim Bezirksgericht gibt es außerdem auch noch einen verpflichtenden Besuch der SozialarbeiterInnen bei der  Familie.“ Wer sich für eine Adoption interessiert, kann sich mit seinen Fragen an sie oder aber die zuständige Kinder- und Jugendhilfe in den Bezirkshauptmannschaften wenden. 

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