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Warum Wut, Angst und Traurigsein dazugehören

Warum Wut, Angst und Traurigsein dazugehören

Vollständiger Artikel erschienen in:
ZWEI UND MEHR - Das Familienmagazin / Winter 2019
Fotos: © Marija Kanzizaj


Früher oder später hören alle Eltern auch mal „Du bist blöd!“ oder „Ich hasse dich!“. Neben Ruhigbleiben hilft hier zu wissen, warum gerade unsere unangenehmen Gefühle für uns überlebenswichtig sind. Wie man positiv mit ihnen umgeht, kann man lernen.

Eigentlich verlief der Besuch im Supermarkt fröhlich. Bis zu dem Zeitpunkt, als Mama Sigrid der dreijährigen Leonie den gerade erspähten Schokoriegel verweigert hat. Nun liegt sie auf dem Boden mitten im Supermarkt und schreit „Du bist blöd!“, weint und tritt. Papa Deniz geht auf seine Tochter zu. Er versucht, sie zu beruhigen, während Mutter Sigrid die Einkäufe auf das Förderband legt, um zu zahlen. Sie wollen möglichst rasch aus der unangenehmen Situation heraus. Denn in der Umgebung gibt es bereits erste Reaktionen – von neugierigen Blicken über belustigtes Grinsen und tadelndes Kopfschütteln bis hin zu (ungefragten) Ratschlägen oder auch Kundschaft, die einfach nichts damit zu tun haben möchte. Es ist schlicht das gesamte Spektrum erwachsener Reaktionen auf dieses konkrete kindliche Verhalten. Ist das ein Paradebeispiel für sogenannte uner-wünschte Emotionen?

Entwicklung ermöglichen

Nein. Denn diese kindlichen Wutanfälle sind im Alter von ein bis vier Jahren völlig normal und natürlich. Kinder sind da noch nicht so gut in der Lage, Enttäuschungen zu verarbeiten. Sie können ihre Impulse und Affekte, wie Wut, noch nicht kontrollieren. Kommen dann vielleicht noch Müdigkeit oder Hunger hinzu, ist es meist ganz „aus“: Weinen, treten, schrei-en, schlagen oder auch mit etwas um sich werfen hilft, den Druck loszuwerden. Das ist dann für die unmittelbare Umgebung und besonders für Eltern nicht immer leicht zu ertragen. Hier gilt, wie auch bei den sogenannten erwünschten Emo-tionen: Kinder lernen durch das Vorbild der Eltern. Wer sich dazu hinreißen lässt, auf den „Wut-Zug“ aufzuspringen, verschärft die Situation meist. Auch „gut gemeinte“ Ratschläge von Umgebenden lösen zusätzlich Gefühle aus. Wenn man das weiß, sie benennen und damit umgehen kann, entspannt das auch im Umgang mit dem Kind.

Um Kindern bei einem Wutanfall zu helfen, sollte man selbst erst einmal ruhig bleiben – auch wenn es schwerfällt. Dann kann man versuchen, dem Kind zu helfen, sich wieder zu fassen. Was hier funktioniert, ist von Kind zu Kind verschieden: Während ein Kind eine feste Umarmung nötig hat, hilft es einem anderen, wenn man es in Ruhe lässt oder nur leicht berührt. Eine Hand auf die Schulter zu legen kann zeigen, dass man da ist. Sobald der Nachwuchs wieder in der Lage ist, zuzuhören, kann man auf seine Emotionen eingehen und nach gemeinsamen Lösungen suchen. Fühlt sich das Kind in und mit seinem Unglück wahrgenommen, kann es oft auch selbst formulieren, was ihm hilft. Das Kind hat also seine Erfahrung mit einer unangenehmen Emotion – seiner Wut –, mit der es (noch) nicht zurechtgekommen ist, gemacht.

 Mit unangenehmen Gefühlen umzugehen, müssen Kinder erst lernen. Sie können das nicht von Natur aus. Eltern helfen durch Trösten, Vorbildwirkung und Hilfestellungen gemeinsame Lösungen für die Situation zu finden.  ©  Marija Kanzizaj

Mit unangenehmen Gefühlen umzugehen, müssen Kinder erst lernen. Sie können das nicht von Natur aus. Eltern helfen durch Trösten, Vorbildwirkung und Hilfestellungen gemeinsame Lösungen für die Situation zu finden.
© Marija Kanzizaj

Betrachtungsweise ändern
Wenn man als erwachsene Person weiß, dass Wutanfälle in diesem Alter normal sind, hat man auch die Möglichkeit, die Wut an sich anders zu betrachten. Wut selbst ist auch Ausdruck starker Lebensenergie. Energie, die der Umgebung zeigt, dass der Mensch – eben auch der junge Mensch – hier eine Grenze hat. Das ist positiv. Kinder brauchen heute mehr denn je den Raum, sich ausprobieren zu dürfen. Kind sein zu können. Mit allen Empfindungen Platz zu haben. Wir als Gesellschaft müssen das ermöglichen. Wie und wo sollen sie sonst Erfahrungen sammeln? Genau das ist wichtig, um sich zum Beispiel gegen Mobbing wehren zu können. Dazu gehört, dass man schon als junges Kind „Nein“ sagen lernt. Es ist auch wichtig, seine eigenen Grenzen gut zu kennen. Daneben kommt es auch darauf an, dies anderen gegenüber deutlich formulieren zu können. Ein Kind, das nicht weiß, wie es mit seiner eigenen Wut und Ohnmacht umgehen soll, wird sich damit später schwertun.

Mit unseren Gefühlen ist es wie mit unserem Körper: Wir können nur lernen, auf einen Baum zu klettern, wenn wir auch tatsächlich selbst auf einen Baum klettern. Man lernt es nicht, indem man nur darüber spricht oder indem man sich das vornimmt. Emotionen gehören gefühlt und geübt. „Unangenehme“ Emotionen wie Zorn, Wut, Angst, Traurigsein und mehr erfüllen durchaus ihren Zweck. So ist z.B. Angst empfinden zu können für uns Menschen überlebensnotwendig. Angst macht uns wach – für den Moment. Sie weckt Kräfte. Sie warnt uns vor Bedrohung. Natürlich ist es nicht angenehm, sie zu fühlen. Wenn man aber lernt, damit umzugehen, kann man Ängste aushalten und überwinden. Fast alle Märchen handeln davon. Sie bringen uns bei, Mensch zu sein: ob Angst vorm Monster unterm Bett, Angst, ausgelacht zu werden, oder vor der nächsten Schularbeit. Es ist wichtig, Kindern dabei zu helfen, mit unangenehmen Gefühlen umzugehen und eine altersgerechte Lösung zu finden. Was man dabei nicht vergessen darf: Kinder sind keine kleinen erwachsenen Personen! Denn auch wenn wir eine Empfindung vielleicht nicht nachvollziehen können, ist es unsere Aufgabe, sie ernst zu nehmen, sie zu respektieren. Alle Gefühle unseres menschlichen „Gefühlsbaukastens“ haben wichtige Aufgaben. Das gilt auch für jene, die wir (noch) nicht kennen oder nicht mögen.


Buchtipp:

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Wenn der kleine Sonnenschein zum Quälgeist wird
Anne-Claire Kleindienst, Lynda Corazza

Was tun, wenn das sonst so harmonische Familienleben plötzlich zum Albtraum wird und die Kommunikation untereinander immer schwieriger? Der humorvolle Ratgeber soll mithilfe der Anwendung der sogenannten „Positiven Disziplin“ unterstützen. Psychologin Anne-Claire Kleindienst und Illustratorin Lynda Corazza sind selbst Mütter und kennen die Schwierigkeiten des Alltags, wenn das Kind mal nicht so will wie die Eltern. Das positive Erziehungskonzept zielt darauf ab, die Beziehung zum Kind zu stärken, wünschenswertes Verhalten zu fördern und auf Herausforderungen im Familienalltag ruhig und positiv zu reagieren. Die Besonderheit sind dabei die mehr als 200 farbigen Comics mit wertvollen Tipps für hilfesuchende Eltern.

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Was macht eigentlich ... ein Clowndoctor?

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